Rückblick auf den Rundgang in den Wallanlagen am 7.7.2013

Stefan Schäfer über die Notwendigkeit eines uneingeschränkten Schutzes der Wallanlagen in Münden und der Intension des Rundganges

„Weil wir das schützen, was wir kennen!“  Rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Rundgang vom 07.07.2013 sind ein echter Erfolg.

gruppenfotoexkursionwall

Kennen wir die Wallanlagen? Allein der Begriff führt in die Irre. Ein Wall und ein Graben, der einst die Stadt vor Angriffen schützen sollte, sind nicht mehr erkennbar.  Was haben wir aus den mehr oder weniger deutlich sprechenden Geschichtsquellen abzulesen. Eine ganze Menge, wie sich in dem rund 2-stündigen Rundgang herausstellte, dabei musste ich schon das eine oder andere Kapitel auslassen. Dass die Stadt die nicht mehr benötigten Verteidigungsanlagen im Jahre 1832 dem Kriegsministerium in Hannover für 1000 Taler abkaufte, schaffte letztlich die Möglichkeit, die historische Altstadt mit einer grünen Lunge zu umgeben.  Dieses geschah zum einem durch eine Forstliche Akademie, später Hochschule und Fakultät, die von 1872 bis 1970 am Werraweg das Bild der Stadtgemeinde stark prägte. Ganze Generationen der Förster wurden in Münden ausgebildet. Sie schenkten der Stadt einen kleinen und einen großen Forstbotanischen Garten. Zum anderem war der Wall über viele Jahrhunderte der Ort der letzten Ruhe für die Mündener, worauf nur noch ein Grabstein als Überbleibsel hinweist. Doch dieses Geschenk sollte dereinst eine Umgehungsstraße, die Bürokomplexe eines Versicherungskonzerns oder wie jüngst angeregt, einen Verbrauchermarkt mit 5500 m² Verkaufsfläche aufnehmen. Über 2000 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben gegen diesen Spuk und machten deutlich, dass sich jede politische Gruppierung  blaue Flecken holt, sollte der Wall in seiner Kernfunktion angetastet werden. Einer der ganz spektakulären Bäume, die der Axt anheimfallen würde, ist ein rund 120 Jahre alter Speierling. Eine seltene Baumart mit Verwandtschaft zu den Rosengewächsen und gallebitteren Früchten, die einen speien lassen! Sie galten als Konservierungsmittel und finden noch heute bei Kennern des Apfelweines mit einem Zuschlag von 1 – 2 %  noch Verwendung. 1997 bilanzierte der NABU, dass es in Deutschland keine 100 Bäume dieser Art gibt, die älter als 40 Jahre alt seien. Mittlerweile ist das Thema alte und seltene Bäume und die Rettung der genetischen Vielfalt in den Köpfen, so dass Speierlinge gepflanzt werden. Dennoch vom Alter her dürfte der Mündener Baum die Liste ganz weit vorn anführen. Man findet ihn auf dem Spielplatz linker Hand. Eine abgewitterte Tafel gibt heute nur noch unzureichende Informationen um die Bedeutung dieses Baumes.  Auch für die Fledermäuse, die auf dem Dachboden des Schlosses ihr Sommerquartier  aufschlagen und die in so mancher Spalte der Altstadt ein unbeobachtetes Leben führen dürfen, ist der Wall eine existentielle Lebensquelle, da in den Kronen der alten Bäume auch eine Vielfalt an Nachtfaltern des Nächtens die Kreise ziehen.  Was aus den drei alten schattenspendenden Linden am Dielengraben geworden ist, wurde von meiner Seite kommentarlos  und von den Teilnehmenden mit viel Kopfschütteln begleitet. Ob die Bäume den radikalen Rückschnitt und den Ausbau des Dielengrabens zu einem PKW-Parkplatz überleben werden, wird die Zeit zeigen. Leichtes Kopfschütteln unter den Naturfreunden lösten auch die Schilder des Grünflächenamtes aus. Hier bat man um Verständnis für das Mähen der Wiese, das nur noch 2 Mal im Jahr stattfinden solle. Ein Grünflächenamt gibt es nicht mehr und die Kommunalen Dienste Münden, als Bewirtschafterin lassen das Grün in der Regel kaum über 5 cm hinaus anwachsen.  Alte Fotos verdeutlichten, dass der Wall ein Standort von Denkmälern nationalen Pathos, Friedhof, Erholungsfläche mit Musikmuschel mit weißen Bänken und Beeten mit einem Meer an Blumen und exotischen Palmen, sogar Bananenstauden war. Immerhin wurde an einigen Stellen der Baumbestand ergänzt, so dass Bäume aller Generationen die Zukunft der Grünanlage sichern. Eine Bereicherung stellen aber auch die Exoten dar, ein Taschentuchbaum war zwar nicht mehr in der Blüte, aber umso mehr der nordamerikanische Trompetenbaum, derzeit ein Traum im weißen Blütengewandt und für die bestäubenden Insekten eine ganz wichtige Quelle.

trompetenbaum

Es bleibt zu hoffen, dass mit diesem Rundgang der Wall wieder in das Bewusstsein der Mündener geholt wurde, denn er ist mehr als nur eine Ansammlung von Bäumen und ein Kostenfaktor bei der Bewirtschaftung der städtischen Grünflächen!

Stefan Schäfer

alle bringen sichein

Bleibt noch unser Dankeschön an die älteren Teilnehmer dieses Rundgangs, die mit Ihrem Wissen und ihren Erinnerungen diese Veranstaltung so außerordentlich bereichert haben sowie an Bernhard, der uns mit seinen Bildern wiederum bleibende Erinnerungen schenkte.

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Über frauenschuh

Schaf- und Ziegenhalterin, 1. Vorsitzende NABU Dassel-Einbeck, 2. Vorsitzende NABU Altkreis Münden, Apothekerin. Motto? Wir haben nur dieses eine Leben! Dieses eine, wunderbare Leben!!!
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