drunter und drüber…

Ist es nun giftig und wenn wie sehr?! Bei manchem löst allein die Blütenfarbe gelb schon zuckende Finger aus:

Ein Greiskraut? Ein Kreuzkraut? Da gehen die Begriffe drunter und drüber

Solche Panikattacken sind genauso verfehlt wie Gleichgültigkeit gegenüber Beständen auf Weideflächen.

„Das“ Greiskraut oder Kreuzkraut gibt es nicht. Das ist eine ganze Pflanzengruppe (Senecio) mit durchaus teilweise recht unterschiedlichem Erscheinungsbild. Wer aber mal die Bildersuche im Internet bemüht… der wird schnell ein Gefühl dafür bekommen, welches derzeit blühende gelbe Kraut zu den Greiskräutern gehört. Johanniskraut und Odermennig sieht er dann wohlwollend und beim Greiskraut… ist das dann so eine Sache.

Es gibt weniger giftige und stärker giftige Greiskräuter. Für uns Menschen sind sie durchaus ein schöner Anblick. Meine routinierten Landschaftspflegeschafe erkennen und meiden es. Also wäre doch alles ganz einfach in der Koexistenz… ganz so einfach ist es aber leider nicht. Während meine erfahrenen Schafe das Kraut meiden, sind meine Ziegen völlig unkritisch. Verschiedene Weidetiere reagieren sehr sensibel auf bestimmte Greiskräuter. Pferde beispielsweise. Gemein daran ist, dass es eben oft nicht in direktem Zusammenhang gebracht wird. Das läuft eben nicht: Pflanze gefressen, Weidetier tot. Sondern das folgt eventuell mit wochenlanger Verzögerung, da das Gift kumulativ wirkt. Sprich… lange Zeit scheint das gar kein Problem zu sein und auf einmal liegt das Tier tot auf der Weide. Da werden dann die abenteuerlichsten Erklärungen bemüht, da man das schon seit Wochen gelb blühende Kraut nicht in Zusammenhang bringt.

greiskrautade

Und dann war da noch die Geschichte mit dem Honig. Ja kommen nun die Pyrrolizidinakaloide in den Honig oder nicht… Dazu gibt es verschiedene Untersuchungen mit uneinheitlichem Bild. Ich kann hier nur spekulieren. Auffallend häufig sind ausländische Honigsorten betroffen. Möglicherweise liegt hier der Schlüssel…
Nicht jedes Greiskraut ist bei uns ein Neophyt. Bei uns verändert sich das Klima erst, wird trockener. Das Jakobsgreiskraut breitet sich derzeit so aus, weil es trockene und warme Standorte bevorzugt. Dazu kommen aber auch noch echte Neophyten. Dazu gehört das schmalblättrige Greiskraut. In Teilen Europas wird es bereits zum echten Problem. Ursprünglich kam es aus Südafrika. In Teilen Südtirols hat es beispielsweise Gefallen an den trockenen Hängen gefunden. Auch dort meidet das Vieh das Greiskraut, dass sich mit ca. 30000 Samen pro Pflanze und Jahr somit ungehindert ausbreitet. Dort kommt es bereits zu Empfehlungen Bienenstöcke nicht in die betroffenen Gebiete zu stellen. ( Quelle: Der Vinschger Ausgabe 3.7.2013). Wer das Internet bemüht, sieht aber ebenso Honig aus nördlichen Regionen Deutschlands im Fokus, also bei weitem kein Problem, das allein die Alpenbewohner trifft.

Fatal ist zudem, dass Greiskraut im Heu von Tieren nicht mehr erkannt wird. Wenn wir also derzeit von Jahr zu Jahr eine Zunahme der durchaus schönen gelben Blütenmeere sehen… dann ist durchaus angezeigt sich über den Umgang Gedanken zu machen. Hier geht es nicht darum eine Pflanzenart zu vernichten. Du liebe Güte, das ist nicht gemeint. Aber die Weidetierhalter sind gut beraten rechtzeitig die ersten Pflanzen, die versuchen auf den Weiden Fuß zu fassen auszureißen. Mähen wird nicht helfen. Greiskraut ist mehrjährig und treibt willig wieder durch. Es lässt sich vergelichsweise leicht reißen! Die abendliche halbe Stunde über die Weide zu streifen, den Zaun und die Tiere dabei im Blick… das ist kein großer Aufwand und hilft Schaden abzuwenden.

Ach ja… und dann bleibt da noch die beruflich Anekdote meinerseits: In den 90ern gab es tatsächlich eine Welle an Berichten, wonach Greiskrauttee zum abnehmen dienen sollte. Ja. Schon. Ich nehme unschwer an, dass man am Ende durch Verwesung an Gewicht verliert. Auch hier wieder verzögert. Nicht Tee getrunken und verblichen. Ein paar Wochen, auffallend hohe Leberwerte und dann verließ viel zu früh und unerklärlich…. Also Hände weg von solcher Scharlatanerie. Abnehmen tut, wer weniger und bewusster isst oder/und sich mehr bewegt. Greiskraut – egal welches – ist auch für den Menschen giftig.

Dennoch… man darf sich auch an der Schönheit der Blüten erfreuen! Ein schöner Strauß in der Vase – später über den Restmüll entsorgt damit sich nicht 30000 Samen pro Pflanze über den Kompost vebreiten – macht sich mit seinem sonnigen Gelb wunderschön in der Wohnung, in der nicht gerade Kleinkinder an den Pflanzen rumlutschen könnten. Giftpflanzen darf man nicht verteufeln. Man sollte nur bewusst mit ihnen umgehen.

Sabine Schumacher

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Über frauenschuh

Schaf- und Ziegenhalterin, 1. Vorsitzende NABU Dassel-Einbeck, 2. Vorsitzende NABU Altkreis Münden, Apothekerin. Motto? Wir haben nur dieses eine Leben! Dieses eine, wunderbare Leben!!!
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